Brandschutz-Notfall im Krankenhaus, Alten- und Pflegeheim (Teil 2)

Ein Krankenhaus ist eine große Herausforderung, wenn es um Notfälle beim Brandschutz geht.

Heute werden für Gebäude dieser Art standardmäßig mehrstufige Rettungskonzepte eingesetzt. Das mehrstufige Rettungskonzept bietet viele Vorteile gegenüber einer Komplett-Evakuierung wie Zeit und Planbarkeit der nächsten notwendigen Schritte.

Lesen TEIL 1 https://2m.at/evakuierung-krankenhaus-teil1

AKTUELLE BERICHTE 2019:
Brand Krankenhaus Eisenstadt – Burgenland, keine Verletzten, Oktober 2019
Brand Krankenhaus Stadt Salzburg, keine Verletzten, September 2019
Brand Krankenhaus in Düsseldorf – 1 Toter, 4 Verletzte, September 2019
Brand Krankenhaus in Brasilien – 11 Tote, September 2019

Nach den jüngsten Ereignissen und Bränden in Krankenhäusern in Österreich, die glücklicher glimpflich ausgegangen sind, ist es von Vorteil zu verstehen, wie mit einer solchen Notfallsituation umgegangen wird.

Durch mehrstufige Rettungskonzepte, die mittlerweile Standard beim Umgang mit einem hohen Gefahrenpotential und der vielseitigen Nutzung in Gebäuden sind, liegt der Fokus mittlerweile bei einem Brandereignis auf dem Bekämpfen des Feuers, den betroffenen Bereichen und den darin befindlichen Personen.
Die unnötige Beschäftigung mit den anderen Personengruppen und Bereichen im Gebäude fällt großteils weg.

Der Großteil der anwesenden Patienten und Personengruppen kann sich im Brandfall nicht selbstständig in Sicherheit bringen.

Je nach Personengruppe besuchen ältere Personen auch ihre Freunde und sind sehr häufig ebenfalls eingeschränkt in der Bewegungs- und Reaktionsfähigkeit.

Sie alle sind auf fremde Hilfe im Gefahrenfall angewiesen.

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Grundlagen zum Rettungskonzept:

Bei einem Brandereignis größeren Umfanges müssen alle Brandschutzmaßnahmen so ausgerichtet sein, dass der Verbleib der Personen (Patienten) im Gebäude bis zur höchsten im Brandschutzkonzept vorgesehenen Evakuierungsstufe sichergestellt ist. Der Einsatz von Hochrettungsgeräten der Feuerwehr für die Rettung von Patienten ist äußerst schwierig durchzuführen und das Mittel der letzten Wahl.

Die Einteilung der Patienten erfolgt grob nach: G = gehfähige Patienten, L = liegend zu transportierenden Patienten (evtl. ohne medizinische Betreuung?), B = betreuungsbedürftige Patienten (Intensivstation, frisch Operierte)

Stufe 1: Verbleib und Aufenthalt in den Zimmern
Stufe 2: Horizontale Evakuierung in angrenzende Rauch- bzw. Brandabschnitte
Stufe 3: Vertikale Evakuierung in andere Geschoße
Stufe 4: Evakuierung ins Freie

Die später notwendige Evakuierung ist folgendermaßen zu unterteilen und ist eine Maßnahme, um Menschen in Sicherheit zu bringen.

Bei den Evakuierungen unterscheidet man verschieden Szenarien:

–              notfallmäßige Evakuierung (Brand, Gefahrstoffaustritt usw.)
–              geregelte Evakuierung, etwa durch Bombendrohung, verdächtiger Gegenstand oder Brand in der Nachbarschaft)
–              Eine Teil-Evakuierung
–              interne Verschiebung von Personengruppen

Notfallmäßige Evakuierung

Bei der notfallmäßigen Evakuierung ist sofortiges Handeln notwendig. In diesem Fall ist die Evakuierung des gesamten Gebäudes gemeint.
Die Evakuierungshelfer haben keine Vorbereitungszeit, sie müssen ohne Vorbereitung versuchen,
alle Personen aus den gefährdeten Bereichen auf den Sammelplatz zu bringen.
Die Kontrolle der Räumlichkeiten und Bereiche im Zuständigkeitsbereich endet bei der Eigengefährdung durch Rauch, Feuer usw. .
Die Suche in den nicht kontrollierten Bereichen bleibt in einer solchen Lage der Feuerwehr vorbehalten.

Geregelte Evakuierung

Die geregelte Evakuierung kann auf verschiedene Arten umgesetzt werden.
Die Evakuierung könnte folgendermaßen verlaufen:
Die Evakuierungshelfer werden über einen „stillen Alarm“ oder eine Codewort-Durchsage auf eine
bevorstehende Evakuierung hingewiesen. Nach einer Lagebeurteilung wird der Notfallleiter entscheiden ob eine Evakuierung stattfinden soll.
Dadurch haben die Evakuierungshelfer eine gewisse Vorlaufzeit, um sich auszurüsten, die Fluchtwege in ihrem Bereich zu sichern und Unregelmäßigkeiten an die Notfallleitung zu melden.

Wird der Evakuierungsalarm ausgelöst, können die mit Warnwesten ausgestatteten Sicherheitswesten klare Anweisungen geben und so für eine überlegte, ruhige und sichere Evakuierung sorgen.

Teil-Evakuierung
Eine Teilevakuierung wird als Sonderfall bei entsprechend großen Gebäuden gehandhabt.
Bei der Teilevakuierung muss darauf geachtet werden, dass für die verbleibenden Personen keine Gefahr besteht.

Interne Verschiebung von Personengruppen
Die interne Verschiebung von Personengruppen kommt dann zu tragen, wenn ebenfalls sichergestellt werden kann, dass für andere Personen ebenfalls keine Gefahr besteht.

Notfallorganisation:
Die Notfallorganisation hat das Ziel, von der Feststellung und Bewertung bestehender Risiken, dem Risikomanagement, bis hin zur Planung und Umsetzung von darauf abgestimmten Konzepten und  Schulung und Training der Mitarbeiter Maßnahmen zu setzen.

Das Ziel ist es eine Umfangreichen Überblick über die bestehenden Prozesse und Notfallsituationen bis hin zu Schulung zu haben.
Danach erfolgt die Umsetzung bei Übungen.
Sollte es zu einem Notfall kommen, ist es notwendig, die Erkenntnisse in diesen Prozess einzubinden und bei den nächsten Unterweisungen weiterzugeben.

Die durchleuchteten Prozesse sind an die Gegebenheiten im baulicher, technischer und organisatorischem Brandschutz anzugleichen. Personell ist ebenfalls eine Abstimmung der benötigten Anzahl an Mitarbeitern und Hilfskräften abzustimmen.

Aufgaben der Evakuierungsorganisation
Das sichere Evakuierung von Mitarbeitern, Besuchern und Kunden ist das oberste Ziel der Evakuierungsorganisation in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr.
Es ist durch gute Organisation möglich Verwirrung und Panische Zustände durch Informationsnotstand der betroffenen zu verhindern.
Eine wichtige Möglichkeit um vor solchen Situationen gut vorbereitet zu sein ist die regelmäßige Übung.
Zumindest einmal pro Jahr ist eine Räumungsübung nach dem §45 des ASchG verpflichtend und festgeschrieben.

„§45 (5) AStV:
Es sind mindestens einmal jährlich Brandalarm- und Räumungsübungen durchzuführen. Werden
bei einer solchen Übung Mängel der Alarmeinrichtung festgestellt, ist die Übung nach höchstens
drei Monaten zu wiederholen.“

Evakuierungspersonal
Das bereits erwähnte Evakuierungspersonal ist ein wichtiger Bestandteil der betrieblichen Notfallorganisation.
Es ist darauf zu achten, dass je nach Größe und Anforderung der Gebäude, Personen und Gefahren es folgende Zuständigkeiten abgedeckt sind:

  • Evakuierungsleiter / Notfallleiter
  • Stockwerks- bzw. Bereichsverantwortliche
  • Sammelplatzleiter
  • Evakuierungshelfer
  • Lotsen

Nutze sie die vorhandenen Ressourcen der betrieblichen Brandschutzstrukturen und nehmen Sie auch Ihre externen und internen Hilfskräfte in die Organisation sofern erforderlich auf.

Arbeitsmittel für jede dieser Gruppen:
Jede Personengruppe sollte über Alarmierungspläne, Adress- und Telefonlisten, Checklisten was zu tun ist und welche Hilfsmittel sie zur Verfügung hat verfügen, sowie in großen Gebäuden Grundriss- und Detailpläne und eventuell weitere Kommunikationsmöglichkeiten wie Funkgeräte zur Verfügung haben.
Die notwendige Ausstattung richtet sich nach der Größe und der Gefährdung.

Zu Ausstattung könnten folgende Hilfsmittel von Vorteil  sein:
Ablaufpläne für verschiedene Evakuierungsarten, vorbereitete Durchsagetexte, Checklisten, Grundrisspläne der Bereiche, Lageplan der Sammelplätze

Hilfsmittel für das Personal
Die Hilfsmittel richten sich nach der Größe des Bereichs und der zu erwartenden Gefährdung.
Ideal wäre Warnwesten oder Warnkleidung mit dem Aufdruck der jeweiligen Funktion (Evakuierungshelfer, Sammelplatzleiter, Evakuierungsleiter, Notfallleiter) zur Verfügung zu stellen und eine gute Investition.

Der Vorteil liegt in der Wahrnehmung durch die Personen, die so gekennzeichneten Personen müssen sich nicht erst rechtfertigen, warum sie Anweisungen erteilen.
Eine Checkliste mit einem Gebäudegrundriss des Kontrollbereichs bringt einen wesentlichen Zeitvorteil.
Wenn Evakuiert wird, sollte als Arbeitshilfe ein Plan in Papierform zur Verfügung stehen,  damit der Evakuierungshelfer die bereits kontrollierten Bereiche auf dem Plan kennzeichnen können.
Wenn es so festgelegt ist, dass kontrollierte Bereiche gekennzeichnet werden, dann hilft hier der Einfachheit halber ein Stück Kreide, um kontrollierte Räume zu kennzeichnen.
Das trägt zur Vereinfachung bei Nachkontrollen bei, sollten später andere Hilfskräfte nach vermissten Personen suchen müssen, ist es leichter, wenn die Türen gekennzeichnet sind. Das international gültige Zeichen ist ein X.
Es signalisiert jedem Helfer, dass hier bereits gesucht wurde.
Eine Taschenlampe für Evakuierungen bei Dunkelheit oder Stromausfall ist notwendig, wenn Notfälle außerhalb der Tageslichtzeit evakuiert werden müssen.
Um sich Gehör in lärmbelasteten Bereichen verschaffen zu können ist ein Megafon oder eine Pfeife (Signal- oder Trillerpfeife) von Vorteil um auf sich aufmerksam machen zu können oder Hilfe herbeirufen.
Weitere Hilfsmittel können Helm, Fluchtfiltermaske, Erste-Hilfe-Ausrüstung usw. sein.

Flucht- und Rettungspläne
Flucht- und Rettungswegepläne dienen in Form einer grafischen Grundrissdarstellung anwesenden Personen zur Orientierung zur Flucht- und Rettungswege Erkennung, sowie  die vorhandenen Rettungs- und Erste-Hilfe-Einrichtungen zu finden.
Zu besseren Orientierung sollte die Darstellung von Grundrissen und Einrichtungen in vereinfachter Form erfolgen.
Hat man größere Objekte, sollte der Ausschnitt des Flucht- und Rettungswegeplans auf einer Gesamtübersichtsskizze integriert werden, um die Lage im Gesamtkomplex darzustellen.

Um die Orientierung und Übersicht zu erleichtern empfiehlt es sich hier auch die Lage der Sammelplätze darzustellen.

Die Größe und Formate sollten sich an den gängigen Papiergrößen orientieren, um auch die geeigneten Schreibunterlagen zur Verfügungen zu haben.
Empfohlen wird laut Literatur die Größe des Plans an DIN A3 anzulehnen und einen Maßstab von mindestens 1 : 100 zu wählen.
Der Aushang von Fucht- und Rettungswegeplänen und der Brandschutzordnung, sowie
die Verhaltensregeln bei Evakuierung und Unfällen bringt den Vorteil, dass diese Dokumente bereits bekannt sind und das Orientieren Leichter fällt.

Wichtiger Grundsatz: Flucht- und Rettungswegepläne müssen immer aktuell sein.
Zusätzliche Hilfsmittel für die Rettung mobilitätseingeschränkter Personen ist es unerlässlich weitere Hilfsmittel für die rasche Ortveränderung zur Verfügung zu stellen.
Hilfreich hierbei sind etwa der Escape-Chair, der für die Rasche Evakuierung im Stiegenhaus eingesetzt werden kann.
Rettungstücher helfen beim Tragen von Personen über Stiegen und durch Schleusen hindurch.
Das Bergetuch für Matratzen ist eine einfache Variante, wie Sie eine Bettlägerige Person auch aus einem Zimmer bringen können, ohne dabei auf Hilfe angewiesen zu sein.
Die EVAK-Matratze ist die schnellste Möglichkeit eine Person auch allein aus einem Krankenbett in den nächsten Brandabschnitt bringen zu können.
Ein weiterer Helfer ist das Notrettungsset der Feuerwehr.

Phasen einer Evakuierung
Die Evakuierung erfolgt in mehreren Phase diese Unterteilen sich üblicherweise in:
Entdeckung der Gefahr
Meldung der Gefahr / Alarmierung (Feuerwehr, Rettung …)
Entscheidung über die Evakuierung
Auslösung des Alarms durch … von wo?
Reaktion der Personen auf den Alarm
Personen zum Sammelpunkt
Abtransport der Personen

Alarmierung von Einsatzkräften
Bei der Alarmierung von Eisatzkräften ist darauf zu achten, dass die richtigen Informationen gegeben werden. Besonders bei Großen Gebäuden ist es wichtig, um einen raschen Einsatz zu ermöglichen, ohne lange Orientierung.
Die 5 W Regel hilft alle Informationen geben zu können:
– Was ist geschehen?
– Wo ist es geschehen?
– Wieviele Personen sind verletzt?
– Wer meldet?
– Warten auf Rückfragen

Aufgaben Notfallleiter / BSB
Die Aufgaben bei der Evakuierung durch den Notfallleiter sind

  • Evakuierung veranlassen
  • bei Bedarf zusätzliche Evakuierungshelfer anfordern
  • Prüfung, ob die Funktion „Sammelplatzleiter“ besetzt ist
  • bei Bedarf die Funktion „Sammelplatzleiter“ bestimmen
  • Meldungen der Sammelplatzleiter entgegennehmen
  • Negativmeldungen an die Einsatzleitung der Feuerwehr weitergeben
  • auch nicht benutzte Sammelplätze überwachen lassen
  • mit der Einsatzleitung den Verbleib der Evakuierten festlegen
  • Aufträge an Sammelplatzleiter weitergeben
  • mit der Einsatzleitung festlegen, welche Bereiche freigegeben werden können
  • Dokumentation der Maßnahmen

Durch diese Vorgehensweise kann sichergestellt werden, dass alle Personen richtig Informiert sind und eine geregelte Kommandokette aufrechterhalten werden kann.

Aufgaben Sammelplatzleiter
Der Sammelplatzleiter begibt sich mit den vorhandenen Hilfsmitteln zum zugewiesenen Sammelplatz.
An die eintreffenden Personen gibt er je nach Situation Informationen weiter. Eventuell mit Hilfe eins vorhandenen Megafons. „Bewahren Sie Ruhe, sie bekommen schnellstmöglich weitere Informationen“
Er veranlasst danach weitere Durchsagen je nach Bedarf und Lage der Situation.

Sollte der Sammelplatz nicht nutzbar sein, z. B. wegen Rauch, ist es erforderlich eine Meldung an den Notfallleiter zu geben und auf weitere Anweisungen zu warten was zu tun ist und welche Alternative er den Eintreffenden Personen geben kann.

Aufgaben der Evakuierungshelfer

Die Notfalllotsen

Entwarnung

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